„Egal, von welcher Richtung man sich dem idyllischen Talkessel am Oberlauf des Grombach nähert, alles beherrscht der Bergfried der Marienburg …“ so schilderte ein Besucher  im 19. Jahrhundert seinen ersten Eindruck von Obergrombach.

Mit dieser Idylle könnte es in zwei, drei Jahren vorbei sein, wenn die Pläne zur Windkraftnutzung in dieser Ecke des Kraichgaus reale Gestalt annehmen würden – und die Chance hierzu ist da. Dann könnten sich gut sichtbar zwei Dutzend Windräder (und mehr) über den Köpfen der Obergrombacher drehen. Vielen Bürgern ist diese Entwicklung noch nicht richtig bewusst.

In einer CDU- Mitgliederversammlung informierten Stadtrat Dr. Wolfram von Müller, Ortsvorsteher Jens Skibbe und CDU-Vorsitzender Volker Mödinger bis ins Detail über die augenblickliche Situation zu diesem Thema.

Die baden-württembergische Landesregierung hat – wie mehrfach berichtet – die Planungshoheit über Windkraftanlagen an die Kommunen „nach unten“ delegiert. So sind jetzt Städte und Gemeinden in der Pflicht, möglichst bald geeignete Flächen auszuweisen, da ansonsten private Investoren an jeder beliebigen Stelle Räder installieren könnten.

Die Stadt Bruchsal hat sich mit den Umlandgemeinden Karlsdorf-Neuthard, Forst und Hambrücken zu einer „Verwaltungsgemeinschaft“ zusammengetan, um nach geeigneten Windparkflächen Ausschau zu halten. Und man wurde fündig – allerdings nur auf der Gemarkung Bruchsal; die Hardtgemeinden bleiben außen vor. Insgesamt acht Stellen kämen als Standorte in Betracht. Und davon befinden sich die mit 5,5 m/sec Windgeschwindigkeit erfolgversprechendsten zwei Standorte im Wald zwischen Obergrombach und Helmsheim („Großer Wald“, „Stöcklich“) und Obergrombach und Gondelsheim („Pfadberg).

Um hier einen Windpark kostenmäßig attraktiv zu gestalten, müssten acht bis zehn Räder erstellt werden. Jedes Rad hat eine Nabenhöhe von 130 Metern. Der zugehörige Rotor hat einen Durchmesser von 70 Metern. Das ergäbe zusammen eine Gesamthöhe von 165 Metern. Für jedes Windrad ist ein Flächenfundament von 5000 Quadratmetern notwendig. Insgesamt müssten viele Hektar intakte Waldfläche geopfert werden. Um die Räder sicher zu verankern, sind Bodenaushebungen unter Umständen bis zu 30 Metern erforderlich. Das ist aber beileibe noch nicht der ganze Landschaftsverbrauch. Um die Räder zu bauen und zu unterhalten, müssen Zufahrtsstraßen mit einer Breite von 5 – 6 Meter gebaut werden, die mindestens eine Achslast von 12 Tonnen tragen können. An den Kurven ist es außerdem notwendig,  für Fahrzeuge mit großen Ladungen Ausholflächen freizuhalten. Weiter müssen Trafostationen errichtet werden. Und schließlich müssen leistungsfähige Stromleitungen verlegt werden, um die gewonnene Energie zu transportieren.
Die Erstellung eines Windrads, das 2,5 Mega-Watt produziert, schlägt mit rund 2,5 Mio. Euro zu Buche. Dabei sind nicht berücksichtigt die Kosten für Planung, Gutachten und Infrastruktur (Straßen, Trafo-Stationen, Leitungen und evtl. Speicherkapazitäten).

Die Obergrombacher hätten nicht nur die Windräder auf der eigenen Gemarkung über ihren Köpfen. Die in Frage kommenden Höhenzüge setzen sich natürlich in die Nachbargemeinden fort. So fassen auch  Gondelsheim, Walzbachtal und Weingarten Flächen für Windkraftanlagen ins Auge. Und die würden nur wenige hundert Meter weg von den Gemarkungsgrenzen ihre Flügel in den Himmel recken – gut sichtbar von Obergrombach aus. Die Gondelsheimer Bevölkerung beispielsweise wäre weniger belastet, da die Gemarkungsgrenze von Ortsetter 4 km beträgt, von Obergrombach dagegen sind es nur 2 km. Sollten sich die Nachbargemeinden der Rentabilität wegen entschließen, auch eine möglichst große Zahl von Anlagen zu errichten, wäre die Zahl von 20 und mehr Rädern nicht aus der Luft gegriffen – und alle gut sichtbar vom Grombachtal aus.

Die CDU Obergrombach ist grundsätzlich gegenüber der Nutzung von erneuerbaren Energien positiv eingestellt. Aber Windanlagen sollten dort errichtet werden, wo sie keine unverhältnismäßigen Einschnitte in Landschaft und Natur erfordern. Für Obergrombach würde die Windpark-Errichtung eine massive Veränderung des Landschaftsbildes bedeuten; gesunder, der Naherholung dienender  Wald würde abgeholzt werden.

Diese abgeholzten Flächen müssten darüber hinaus durch geeignete Flächen  ersetzt und aufgeforstet werden – wo sollen diese Ausgleichsflächen herkommen. Obergrombach ist durch die „Flora-Fauna-Habitat“ (FFH)-Ausweisung ohnehin schon in seiner Entwicklung stark beeinträchtigt.

Für die weitere Entwicklung zu diesem Thema in Bruchsal und besonders in Obergrombach sieht der CDU-Ortsverband eine frühzeitige Information und Erörterung mit den Betroffenen vor Ort als geradezu zwingend an.

Deshalb wird die Organisation einer Informations- und Diskussionsveranstaltung im März/April in der Turnhalle der Burgschule Obergrombach ins Auge gefasst.

Dazu sollen Experten und Betroffene eingeladen werden, u.a. die Ortsvorsteher von Helmsheim und Heidelsheim sowie die Bürgermeister von Gondelsheim, Walzbachtal und Weingarten.

Die Stadt Bruchsal wird bei dieser Veranstaltung voraussichtlich nicht vertreten sein; mehrere telefonische Anfragen und Emails von Seiten der Organisatoren wurden negativ verbeschieden.

Sollte der Termin feststehen, wird dies in den Medien so früh wie möglich bekannt gegeben.