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Denkmalschutz-Auflage erfüllt: Ursprüngliches Fachwerk nachgebaut und aufgestellt PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Klaus Kehrwecker   
Montag, den 17. März 2014 um 20:07 Uhr

Die beiden Zimmermannsgesellen Michael Hubbuch und Hendrik Lauber – beide beschäftigt bei der Zimmerei Karlheinz Gaag in Untergrombach – hatten sich in den letzten drei Wochen mit einer ungewöhnlichen Aufgabe zu beschäftigen: mit der Rekonstruktion alten Fachwerks.

Der in Obergrombach ansässige Azt Dr. Wolfram von Müller hatte das den alten Marktplatz beherrschende Haus Brunnenstraße 7, erbaut 1703, erworben. Unter Einbeziehung der Denkmalschutzbehörden wurde festgelegt, dass das Wohnhaus des Anwesens samt dem alten Fachwerk abgerissen werden kann, da eine Sanierung des Hauskörpers beim besten Willen nicht möglich war.

Allerdings wurde zur Auflage gemacht, dass die Giebelseite mit ihrem fränkischen Fachwerk rekonstruiert werden soll. Das entsprach auch genau den Vorstellungen des Eigentümerehepaares Dr. Wolfram und Angelika von Müller. Vor Jahresfrist erwarb Dr. von Müller 30 Kubikmeter Eichenholz, das – gut abgelagert – jetzt teilweise Verwendung fand. In der Werkshalle der Firma Gaag machten sich die beiden Zimmerer an die Arbeit. Das alte Fachwerk war zum größten Teil verfault, man konnte aber immer noch die Umrisse gut erkennen.

Das ursprüngliche Fachwerk wurde original 1:1 nachgebaut Dabei mussten sich Michael Hubbuch und Hendrik Lauber mit einer alten Zimmermannskunst auseinandersetzen: der Holzverbindung durch Holzzapfen und Holznägel ohne der Hinzuziehung von Metallnägeln oder –schrauben. Eine wertvolle Unterstützung in dem Obergrombacher Hobby-Holzwerker und Holzschnitzer Franz Eppele. Dieser nahm sich der Fachwerkverzierungen wie Rosetten und Ornamenten sowie der eingebauten Andreaskreuze an. Auch Eppele hielt sich genau an die historischen Vorlagen. Die von ihm gelieferten Teile passten genau zu den Teilen der beiden Zimmerleute. Woche für Woche wurde jeweils ein Teil des Fachwerks gezimmert. Das größte Teil wog 1,6 Tonnen, die anderen beiden 1,2 und 0,6 Tonnen.

Für die Schlussmontage der Bauunternehmer Bernhard Janzer mit einem Kranfahrzeug an.

Er saß selbst an den Schaltknüppel, als sich Michael Hubbuch und Hendrik an die Schlussmontage ihrer außergewöhnlichen, aber spannenden Arbeiten machten. Bei der Installation kam es im Sinne des Wortes auf Zentimeterarbeit an. Aber die erfahrenen Bauhandwerker haben schon oft zusammengearbeitet, und ohne die Nachbarhäuser zu beschädigen oder zu touchieren konnte die Montage erfolgen.

Für Michael Hubbuch stellte die Arbeit an dem Haus in der Brunnenstraße etwas Besonderes dar, handelt es sich doch um das von seinen Großeltern. „Ich war beim Abbruch dabei – und wollte auch beim Wiederaufbau dabei sein!“ erklärt der blonde junge Mann. Und sein Kollege Hendrik Lauber stimmt zu: „Wenn man wie ich in Obergrombach wohnt, ist man stolz darauf, an einem solchen Ortsbild prägenden Gebäude mitgearbeitet zu haben.“

Nacheinander wurden die drei Teile am Kran befestigt, hochgehoben und angepasst.

Alles passte haargenau – sehr zur Freude des Bauherrn Dr. Wolfram von Müller.

Das Fachwerk dient rein dekorativen Zwecken, dahinter ist die Frontseitenmauer auf konventionelle Weise errichtet. An dieser Mauer wurde das Fachwerk befestigt – diesmal mit Stahlschrauben. Jetzt erhält das Kunstwerk aus Eichenholz Gelegenheit zum austrocknen, um dann ausgemauert und verputzt zu werden.

Es lässt sich jetzt schon sagen: Obergrombach ist um ein Kleinod reicher; der Marktplatz insgesamt erhält eine Aufwertung.