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Fachwerkhaus-Sanierung Obergrombach PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Klaus Kehrwecker   
Freitag, den 29. März 2013 um 11:50 Uhr

Wenn für viele Menschen, die im Berufsleben stehen, der Ruhestand näher rückt, besinnen sie sich zum Zeitvertreib auf langjährig vernachlässigte Hobbys – oder suchen sich eine neu Freizeitbeschäftigung.

Der Obergrombacher Dorfarzt Dr. Wolfram von Müller, zwar „erst“ 62 Lenze jung, hat sich zusammen mit seiner Frau Angelika für ein besonderes Projekt entschieden: er erwarb eines der ältesten Obergrombacher Fachwerkhäuser am Marktplatz.  Das Haus Brunnenstraße 8 wurde im Jahre 1702 im fränkischen Stil erbaut und kann als typisch speyrischer Erbpachthof angesehen werden. Über 140 Jahre lang wohnten auf dem 4,5 ar großen Grundstück mehrere Familien in Miteigentum gemeinsam in dem Anwesen.

Bevor von Müller jedoch den Kaufvertrag unterschrieb, wollte er sich zuerst über den tatsächlichen Zustand der Gebäude (Haupthaus/Ställe/ Schuppen/Scheune) überzeugen und vor allen Dingen: wie kann das alles für einen zeitgemäßen Zustand saniert werden? Das Haus – dessen hinterer Teil auf die ehemalige Obergrombacher Stadtmauer aufgesetzt ist – steht natürlich unter Denkmalschutz. Um die zuständigen Behörden und Ämter davon zu überzeugen, dass die Bausubstanz „nicht mehr zu retten“ ist, waren ein Jahr Zeit, Gutachten im fünfstelligen Eurobereich und jede Menge Gespräche notwendig. Erst nachdem klar war, dass Wolfram und Angelika von Müller die Inneneinteilung nach eigenen Vorstellungen gestalten kann, wurde der Kaufvertrag unterschrieben.

Das Haus wird jetzt komplett niedergelegt. Allerdings wurden Auflagen gemacht: Die marktplatzprägende Vorderfront muss im Original wieder aufgebaut werden. Damit hat von Müller keine Probleme: „Es ist mir ein Anliegen, soviel wie möglich wieder originalgetreu wieder aufzubauen!“

Dazu werden alle alten Balken – soweit noch erhalten – wieder Verwendung finden. Von Müller: „Die Stadtmauer bleibt selbstverständlich  ebenfalls erhalten – sie wird später ein Teil unseres Wohnzimmers werden!“

Das Haus keinen Keller. Bodenuntersuchungen haben ergeben, dass es auf Schwemmland des „Grombach“ erbaut wurde. Erst in sechs Meter Tiefe  stieß man bei einer Probebohrung auf festen Grund. Das Haus ist in seinem jetzigen im hinteren Bereich um ca. einen halben Meter im Vergleich zum vorderen Teil  abgesunken.

Für die Stabilisierung des Neubaus ist eine Pfahlgründung vorgesehen.

„Der Wiederaufbau der Fachwerk-Giebelfront erfolgt nach dem historischen Vorbild!“ betont der agile Arzt mehrfach.

Der ehemalige Rübenkeller in der Scheune soll zum Weinkeller umfunktioniert werden.

Bei einem Rundgang in dem alten Gemäuer sind immer wieder neue Sachen zu entdecken. „Wir haben schon jede Menge mumifizierte Ratten und Mäuse gefunden,“ so von Müller. Das ist darauf zurückzuführen, dass in den ersten Jahrzehnten seines Bestehens das Haus keinen Kamin als Rauchabzug hatte. Der Rauch vom Herdfeuer stieg empor und suchte sich seinen Weg nach oben. So sind die unerwünschten Haustiere im Rauch erstickt. Auf dem Dachboden wurde auch das geerntete Korn ausgebreitet. Der Herdrauch sorgte auch dafür, dass Schädlinge sich nicht lange  am Genuss von Gerste oder Weizen erfreuen konnten.

In den oberen Stockwerken ist deutlich die Rußbildung zu sehen

Manchmal fragt man sich, wie oder was das ganze  Gemäuer überhaupt noch zusammenhält. Überall durchgebogene oder sogar ganz verfaulte Balken, abprökelnder Lehmbewurf, herausfallende Steine. Besonders ins Auge fallend: Im Erdgeschoss wurden – um größere Flächen für Viehställe zu schaffen – die unteren Teile von die Stadtmauer stützenden Bogenfundamten einfach  abgeschlagen – trotzdem hat die Mauer die Jahrhunderte überdauert.

Jeden Samstag ist für von Müller und seine Bautruppe „Arbeitseinsatz“ angesagt. Dabei ist behutsame Handarbeit notwendig. Von Müller: „Schweres Gerät können wir nicht einsetzen, da sonst Einsturzgefahr besteht. Außerdem wollen wir ja viele Originalteile wieder verwenden!“

Bis das neue Gebäude einzugsbereit steht, rechnet das Ehepaar von Müller eine Bauzeit von vier Jahren ein.

Und das würde sich mit den beruflichen Vorstellungen von Stadtrat und Ortschaftsrat von Müller decken: in „einigen Jahren“ will er das Stethoskop an den Nagel hängen und seine Praxis an seine Tochter Caro übergeben, die ihr Medizin-Studium abgeschlossen hat und jetzt  praktische Erfahrungen sammeln will.

Obergrombach hat für die Zukunft gleich zweifach gewonnen: der Heimatvereinsvorsitzende Wolfram von Müller und seine Ehefrau Angelika werden eines der wichtigsten Obergrombacher Fachwerkhäuser optisch erhalten – und die ärztliche Versorgung am Grombach-Oberlauf ist ebenfalls gesichert.