„Den letzten beißen die Hunde“ – in etwas abgewandelter Form trifft das zurzeit auch auf die Kommunalverwaltungen des Landes Baden-Württemberg zu, die sich mit dem Thema „Windkraft“ auseinandersetzen müssen.

Deutlich wurde dieses Dilemma bei der von der Stadt Bruchsal organisierten Veranstaltung zur Frage der Installierung von Windkraft–Rädern auf der Bruchsaler Gemarkung.

Zu Beginn der Veranstaltung erlebten Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick und ihr Mitstreiter eine große Überraschung: zur Veranstaltung im Januar zum gleichen Thema in der Kernstadt fanden lediglich 80 Besucher den Weg, während es in Obergrombach um die 500 Menschen waren, die Näheres zu diesem Thema erfahren wollten.

Petzold-Schick begann ihren Vortrag mit der wiederholten Feststellung der Tatsache, dass die Kommunen in Baden-Württemberg durch die Landesregierung verpflichtet wurden, bis Ende des Jahres 2013 verbindlich Flächennutzungspläne zu erstellen, die Flächen ausweisen, auf denen Wind-krafträder erstellt werden können. Sollten diese Pläne nicht erstellt werden, steht dem Wildwuchs Tür und Tor offen: dann muss nahezu jedem Antrag an jeder Stelle die Genehmigung erteilt werden und die Zersiedelung der Landschaft ist nicht aufzuhalten. Mit einem Satz ist alles ausgedrückt: „Windkraft ohne Wenn und Aber!“

Thomas Becker, als stellvertretender Leiter des Stadtplanungsamtes mit der Planung der ganzen Sache betraut, erläuterte die rechtlichen Rahmenbedingungen und den derzeitigen Planungsstand. Wie bekannt, sollen die regenerativen Energieträger Wind, Photovoltaik, Wasser, Biomasse und Geothermie uneingeschränkt gefördert werden. Das ehrgeizige Ziel der Landesregierung sieht vor, den Anteil der durch Windkraft erzeugten Energie bis 2020 auf 10 % zu erhöhen; das sind 7 Terra-Watt-Stunden (7 Thw). Um das zu erreichen, sind der Neubau 100 bis 120 Windkraftanlagen im Land pro Jahr erforderlich. In der Verwaltungsgemeinschaft Bruchsal/Forst/ Hambrücken/Karlsdorf-Neuthard leben rund 66.800 Einwohner auf knapp 13.000 Hektar Fläche. Und hier haben sich acht Standort herauskristallisiert, die als Windrad-Standorte in Betracht kommen: „Rößleberg“ (0,6 ha), „Eisenhut“ (27 ha), „Spiegelberg“ (34,6 ha), „Hornbuckel“ (35,2 ha), „An der hohen Straße“ (32,6 ha) „Großer Wald/Stöcklich“ (257 ha), „Pfadberg“ (15,7 ha) und „Eichelberg“ (17,9 ha). Hier weht überall der Wind in einer Stärke von 5 bis 5,2 m/sec. Am wirtschaftlichsten ließ sich ein Anlagen-Bau im größten Gebiet „Großer Wald“ und „Stöcklich“ zwischen Obergrombach und Helmsheim vorstellen.

Peter Solberg, Geschäftsführer der Energie- und Wasserversorgung Bruchsal (ewb), nahm zur wirtschaftlichen Seite des Thema Stellung. Wenn schon Windräder auf Bruchsaler Gemarkung gebaut werden müssen, sollte die Wertschöpfung daran auch im Bruchsaler Raum bleiben. Er stellte verschiedene Modelle vor, die die Bürger nutzen können. Solberg bezifferte die Kosten für ein Rad auf runde 3 Mio. €; macht bei sechs Rädern 18 Mio. – 20 Mio. €.

Für die Verwirklichung eines solchen Projektes ist eine Dauer von drei bis fünf Jahren vorgesehen.

Weiter ging der ewb-Geschäftsführer auf den Landschaftsverbrauch ein.

Bei der abschließenden, lebhaften Diskussion zwischen Besuchern und Referenten wies Oberbügermeisterin Petzold-Schick wiederholt darauf hin, dass die Stadt Bruchsal überhaupt keine Wahl hat, als Flächen zur Windrad-Erstellung auszuweisen. In Bezug auf die Absichten der Nachbargemeinden Weingarten, Walzbachtal und Gondelsheim zum Thema „Windkraft“ ist noch nichts Konkretes bekannt. Hier kocht jeder sein eigenes Süppchen.

Von der Masse der Besucher war zu spüren, dass sie nicht unbedingt Freunde eines Windkraft-Parks im Grombachtal sind.

Oberbürgermeisterin Petzold-Schick bedankte sich beim TV Obergrombach für die kurzfristige Überlassung der Halle und bei den Besuchern für das zahlreiche Erscheinen.